Tag 28 – Foncebadón – Ponferrada

Mein heutiger Tag startete etwas später als sonst. Der Grund hierfür war, dass ich nur 2 km vom Cruz de Ferro entfernt war und bei absoluter Dunkelheit macht es keinen Sinn sich dem Kreuz zu nähern – welches eines der wichtigsten Pilgerziele des Caminos darstellt. Somit machte ich mich kurz nach 08:00 auf den Aufstieg und wie sich herausstellte war das genau die richtige Entscheidung.

Der Aufstieg zum Cruz war keine wirkliche Herausforderung und auf halber Strecke hatten sich ca. 20 Pilger versammelt, um den Sonnenaufgang mitzuerleben. Wirklich eindrücklich, aber ich ging zügig an ihnen vorbei, denn ich wollte nicht mit all diesen Pilgern am Kreuz ankommen.

Nach 30 Minuten war es dann soweit, das Kreuz kam in Sicht und glücklicherweise waren nicht allzu viele Pilger Vorort. Das Cruz de Ferro steht auf einem Hügel aus Sorgen, Wünschen und Hoffnungen. Jeder Stein der dort abgelegt wird repräsentiert die Bemühungen auf dem Pilgerweg, sowie die Seelenlast die man sich entledigt beim ablegen des Steines. Ich bin zwar nicht besonders religiös oder gläubig, dennoch berührte mich dieser Ort auf gewisse Art und Weise. Leider verstehen nicht alle Pilger die Bedeutung des Ortes und wich würde mir mehr Respekt von den einzelnen wünschen!

Auf seltsame Weise fühlte ich mich sehr erleichtert, nach dem ich meinen Stein abgelegt hatte. Dies nicht nur körperlich – ich spürte den Rucksack für Langezeit nicht mehr – sondern auch seelisch – meine Stimmung hat sich ungemein gebessert und ich war richtig guter Dinge und richtig fröhlich. Hab sogar vor mich hin gepfiffen und gesungen – zwar nicht laut, aber laut genug damit ich es hören konnte.

Nach dem Cruz de Ferro ging es dann für knappe drei Stunden einfach nur bergab und dies auf schwierigen Wegen – leider sieht man das auf den Fotos nicht wirklich! Teils auf Geröllfelder ähnlichen, komplett ausgewaschenen und zerklüfteten Wegen. Höchste Konzentration war gefordert! Eine kleine Unachtsamkeit und man verdreht sich das Fussgelenk oder noch schlimmer. Was dann sogar das Ende meiner Reise sein könnte. Glücklicherweise ist mir nichts passiert obwohl ich auch ein oder zweimal gestolpert oder hängengeblieben bin.

Der Rest ist dann ziemlich schnell erzählt. Unten angekommen ging es dann noch ein oder zweimal auf und ab, aber das war’s dann auch und ich erreichte mein Ziel.

Jetzt heisst es erstmal erholen und sich für die letzten 200 km bis nach Santiago vorzubereiten. Morgen werde ich mir Ponferrade etwas genauer anschauen und der Stadt eine zweite Chance geben, denn vor 5 Jahren konnte sie mich nicht überzeugen. Kann aber auch damit zusammenhängen, dass das Wetter nicht besonders erbauend war. Es könnte aber auch sein, dass ich hier bei meiner Abreise mein Fussgelenk verdreht habe und für zwei Tage höllische Schmerzen hatte. Damals war ich kurz davor abzubrechen, aber wieder einmal siegte mein Wille das durchzuziehen. Hoffen wir mal, dass es dies Jahr nicht wieder dazu kommt.

Alles in allem war dies heute die wohl schönste Etappe auf meinem Weg und dies trotz des ruppigen Abstieges und den schlechten Erinnerungen an Ponferrada.

Es grüsst ein überwältigter und erleichterter Edelpilger!

Nachtrag: Was hat es mit dem Stein auf sich?

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