Tag 41 – Logoso – Finisterre

Gestern habe ich ja noch mit dem Gedanken gespielt ein Taxi nach Finisterre zu nehmen falls das Wetter nicht besser sein sollte. Beim Prüfen der Wettervorhersage heute Morgen, zeigte sich, dass die Wettergötter gnädig mit mir waren. Sicher bis zum Mittag sollte es kein Regen geben. Somit entschloss ich mich dafür die Etappe unter meine Füsse zu nehmen. Insbesondere auch weil mein Schuhwerk beinahe wieder trocken waren.

Damit ich aber die vorhergesagten Trockenphasen auch wirklich ausnützten konnte, musste ich relativ früh los. Ausgerüstet mit Rucksack, Stöcken, halbwegs trockenen Schuhen und Kleider sowie meiner Stirnlampe machte ich mich auf den Weg.

Ich kam relativ gut voran, aber der Wind hatte nochmals zugelegt. Es gab wirklich Momente in denen ich mich mit meinem gesamten Gewicht dagegenstemmen musste. Am schlimmsten war es auf der Hochebene die ich überqueren musste. Sobald ich dann wieder in Wäldern laufen konnte war der Wind dann augenblicklich weniger stark. Ganz ungefährlich war das aber natürlich auch nicht da doch auch die Möglichkeit bestand von einem Ast oder gar umstürzenden Baum getroffen zu werden. Ich sah heute wie auch gestern einige umgestürzte Bäume sowie abgebrochene Äste.

Nach ungefähr 2 ½ Stunden wandern, erblickte ich dann das Meer zum ersten Mal – natürlich nicht zum ersten Mal in meine Leben aber auf dem Camino. Ein wirklich erhebender Moment! Nun kann ich mir vorstellen wie sich ein Pilger gefühlt haben musste wenn er bis zu diesem Zeitpunkt noch nie das Meer gesehen hat. Nach dem doch ziemlich steilen Abstieg – und immer noch kein Regen – gönnte ich mir dann eine Pause. Die war zu diesem Zeitpunkt auch bitter nötig, denn ich hatte bereits um 10:15 mehr als die Hälfte der Strecke hinter mir. Viel Zeit gab ich mir aber nicht, denn der Himmel sah immer noch nach regen aus und ich wollte heute unbedingt Trocken am Zielort ankommen.

Also machte ich mich schnellst möglich wieder auf den Weg. Es ging dann Zeitweise direkt am Meer respektive am Strand entlang bis ich wieder einmal einen kurzen aber brutal steilen Aufstieg bewältigen musste. Dies war aber der dritt letzte für meine heutige Etappe. Weiter ging es entweder mit direktem Meerblick, durch kleinere Wälder oder gar beides.

Nach ungefähr 5 Stunden erreichte ich dann Strand Paria da Langosteira kurz vor meinem Zielort Finisterre. Hier gönnte ich mir eine weitere kurze Pause um einfach den Moment zu geniessen. Was mir auch sehr gut gelang, denn seit ich Santiago verlassen habe, ist die Zahl der Pilger dramatisch zurückgegangen. Es gab viele Momente in denen weit und breit kein anderer Pilger zu sehen oder zu hören war. Nach der besinnlichen Pause ging es dann auf die Letzten 4 km meiner heutigen Etappe. Die restliche Strecke führte am Strand entlang bis in die Ortschaft Finisterre. Beim Hotel angekommen und nach dem ich im Zimmer war, deponierte ich den Rucksack und machte mich wieder auf den Weg zum Ende der Welt – den Leuchtturm von Finisterre und dem Kilometer 0.

Von meinem Hotel ging es dann noch mal 2.5 km leicht aufwärts zum Leuchtturm. Dem Ziel aller Pilger die es bis nach Finisterre schaffen. Leider ist dieser Ort auch sehr beliebt bei Pilger die in Santiago aufhören oder bei den Leichtgewicht- / Buspilger. Die Menschenmassen hielten sich aber in Grenzen und somit konnte ich einige Fotos schiessen ohne andere Leute drauf zu haben.

Sobald man am Leuchtturm angekommen ist geht es noch weiter hinunter. Das ist der Ort an dem viele Pilger ihre Schuhe und sonstige Kleider oder Ausrüstungsgegenstände verbrennen. Dieses Ritual wird normalerweise bei Sonnenuntergang zelebriert. Ich persönlich kann nicht wirklich viel damit Anfangen und werde auch heute Abend nicht noch einmal hochlaufen um dem Schauspiel zuzuschauen. Auch glaube ich nicht, dass es heute der Sonnenuntergang wirklich gut sichtbar sein wird.

Leider funktioniert das mit dem Verbrennen nicht immer so gut und deshalb sieht man überall Überreste der Verbrennungsversuche. Auch werden teilweise Kleidungsstücke einfach so hingeworfen. Echt schade denn es wäre eigentlich ein sehr schöner Ort um sich kurz zu besinnen.

Nachdem ich alles gesehen hatte und die obligatorischen Fotos gemacht hatte, ging es dann zurück ins Hotel, denn die Dusche wartete schon auf mich und etwas Erholung. Denn auch wenn ich hier am Ende der Welt (Finisterre) bin, ist meine Reise noch nicht zu Ende. Morgen geht es dann zum letzten Mal auf den Camino.

Es grüsste der Edelpilger vom Ende der Welt!

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